Die Mitglieder der Teilhandlungsfeldkonferenz haben sich am 18.07.2003 auf vier Thesen verständigt, die das gemeinsame Verständnis von Evangelisation umreißen, und auf vier Wege, wie das Evangelium „hin zu den Menschen“ kommt.
Evangelisation findet innerhalb der Schöpfung Gottes statt und wendet sich an Menschen, die noch nie etwas vom Evangelium gehört oder außer Hörweite geraten sind. Evangelisation findet innerhalb der Welt Gottes statt. Sie bewegt sich nicht im Fremdgebiet sondern ähnelt einem „Heimspiel“. Gott hat auf unterschiedliche Weise bereits immer schon den Boden für die Aufnahme der Guten Nachricht vorbereitet.So kann Evangelisation an das anknüpfen, was an Geschichte Gottes mit den Menschen bereits vorhanden ist. Es tut gut zu wissen, dass jeder Mensch als Geschöpf bereits Objekt der Liebe und Fürsorge Gottes ist.
Evangelisation redet von den großen Taten Gottes und lädt dazu ein, die rettende Herrschaft Christi persönlich anzuerkennen. er glaubt hat etwas zu sagen. Wer evangelisiert, hat etwas zu erzählen. Das erinnert an den Wortsinn on Evangelisation. Es geht um das Verkünden einer „frohen Botschaft“. Einer Botschaft der Versöhnung. „Kommt her, hört zu, ich will erzählen, as Gott an mir getan hat“ (Ps 66,16) kann der Psalmist sagen. Freilich bekommt durch das „was Gott an mir getan hat“, die Rede vom Glauben, einen subjektiven Charakter. So gesehen geht es bei Evangelisation besonders darum, dass ein Bettler einem andern Bettler mitteilt, wo es Brot gibt. Ich muss mich als Individuum zu dieser gehörten Botschaft verhalten. So wie es der ökumenische Rat der Kirchen in seiner rklärung „Mission und Evangelisation“ formuliert: „Die Verkündigung des Evangeliums beinhaltet die Einladung, in einer persönlichen Entscheidung die rettende Herrschaft Christi anzuerkennen und anzunehmen. Es ist die Ansage einer persönlichen, vom Heiligen Geist bewirkten Begegnung mit dem lebendigen Christus, der Empfang seiner Vergebung und die persönliche Annahme des Rufes zur Nachfolge und einem Leben im Dienst.“ (Ökumenische Erklärung zu Weltmission und Evangelisation.Veröffentlicht in: Weltmission heute, Hrsg. vom Evangelischen Missionswerk (EMW), Hamburg 1990, S. 11f.)
Evangelisation gehört zu den unabdingbaren Lebensäußerungen der Kirche und geschieht in möglichst großer ökumenischer Einheit. Dieses Hingehen zu den Anderen wird vom auferstandenen Christus ausdrücklich gefordert: „Darum gehet hin und macht zu Jüngern alle Völker“ (Mt 28,19). Evangelisation erhält dadurch einen übergreifenden Charakter. Sie hat Anteil an der Sendung Gottes und gehört zu den unabdingbaren Lebensäußerungen der Kirche Jesu Christi. Modern ausgedrückt: Evangelisation ist eine Querschnittsaufgabe.
Dabei steht Evangelisation vor der Herausforderung, in möglichst großer ökumenischerVerbundenheit die Einheit des Leibes Christi zu leben. Manchmal müssen dazu vielleicht auch einmal einzelne konfessionelle oder theologische Überzeugungen in den Hintergrund treten um Evangelisation zu ermöglichen.
Evangelisation will Menschen gewinnen und weiß doch: nur Gott kann bekehren. Dieser Leib Christi soll in seiner Vielgestaltigkeit wachsen. Kirchen und Gemeinschaften wollen – ja sollen – Mitglieder gewinnen. Eine Kirche, die nicht mehr wachsen will, ist nicht nur in ihrer Substanz gefährdet, sie verliert auch ihre Daseinsberechtigung.Aber: Evangelisation geschieht nicht um der Kirche willen! Wachstum ist die Frucht und nicht die Motivation der Evangelisation. Die Motivation speist sich vielmehr aus Worten wie diesem: „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1 Tim 2,4).
Zustande bringen kann diese Erkenntnis allerdings ausschließlich Gottes Wirken. Oder anders ausgedrückt: nur Gott kann bekehren. Leider wurde dies nicht immer so verstanden. Dass sich in dieser Beziehung das Verständnis von Mission und Evangelisation gewandelt hat, zeigt ein Blick in die Kundgebung der EKD: „Inzwischen hat sich das Verständnis des missionarischen Auftrags tiefgreifend verändert. Mission behält die Absicht, andere Menschen zu überzeugen, d.h. mitzunehmen auf einen Weg, auf dem die Gewissheit des christlichen Glaubens ihre eigene Gewissheit wird. Aber sie tut dies in Demut und Lernbereitschaft. Eine so verstandene Mission hat nichts mit Indoktrination oder Überwältigung zu tun. Sie ist an der gemeinsamen Frage nach der Wahrheit orientiert. Sie verzichtet aus dem Geist des Evangeliums und der Liebe auf alle massiven oder subtilen Mittel des Zwanges und zielt auf freie Zustimmung. Eine solche Mission ist geprägt vom Respekt vor den Überzeugungen der anderen und hat dialogischen Charakter.“ (EKD-Texte 68, Das Evangelium unter die Leute bringen, Hannover 2000, S. 45)
Dabei ereignet sich Evangelisation ja nie im luftleeren Raum sondern immer in der konkreten Begegnung mit anderen Menschen und in gemeindlichen Strukturen. „Evangelisation ist ebenso ein sozialer Prozess wie eine geistliche Reise. Wir schließen ebenso Freundschaft mit Menschen wie mit Gott.“ (John Finney)
Wir sehen vier „Wege“, in denen Evangelisation in unseren Werken und unserer Arbeit Gestalt gewinnt:
1. Der Bartimäusweg (Mk 10,46ff)
Evangelisation über den Weg der Diakonie, der freundlichen Zuwendung und der Hilfe.
2. Der Emmausweg (Lk 24,13ff)
Evangelisation über den Weg der Begleitung. Teilhabe am Leben. Mitgehen längerer oder kürzerer Wege mit einer allmählichen Veränderung.
3. Der Damaskusweg (Apg 9,1ff)
Eine plötzliche Lebenswende als Folge von Evangelisation.
4. Der Andreasweg (Joh 1,40)
Evangelisation auf dem Weg der Multiplikation und der Anleitung zum Weitersagen.